Schulentwicklung

Stübi 2.4

Die Schule Stübenhofer Weg ist nicht mehr das, was sie einmal war, und sie ist noch nicht das, was sie zukünftig sein muss, sein sollte oder sein könnte.
Das Auslaufen der Haupt- und Realschule, die neuen Schulform Stadtteilschule, die Einführung des vollgebundenen Ganztagsbetriebes, die Einführung der Inklusion, die komplette Umgestaltung der Tagesrhythmisierung, die vielfältigen Erfahrungen mit einem langjährigen schulinternen Entwicklungsprozess sowie die Erfahrungen mit den Aktivitäten der „Bildungsoffensive“ im Rahmen der Internationalen Bauausstellung führen zu einer Standortbestimmung für die Fortsetzung der Schulentwicklung – Update Stübi 2.4. unter folgender zentraler Fragestellung:
Was soll sie also sein, was soll sie auszeichnen, was soll sie zu einer „besonderen“ Stadtteilschule machen – die Stadtteilschule Stübenhofer weg in Kirchdorf Süd.

Ausgangslage
Die Stadtteilschule Stübenhofer Weg liegt im Stadtteil Kirchdorf Süd einem geschlossenem Sozialraum und damit auf einem Teil der Elbinsel Wilhelmsburg. Die sie direkt umgebenden Grundschulen sind die Grundschule Stübenhofer Weg sowie die Schule An der Burgweide. Derzeit lernen ungefähr 720 Schülerinnen und Schüler an der Schule. Unsere Schülerinnen und Schüler wohnen überwiegend in Kirchdorf/Kirchdorf-Süd. Gemeinsam mit zwei weiteren Stadtteilschulen bildet sie das nach der Grundschule weiterführende Schulangebot neben dem Gymnasium in Wilhelmsburg. Unterrichtet, begleitet und betreut werden die Schülerinnen und Schüler derzeit von ca. 130 Kolleginnen und Kollegen (inklusive Honorarkräften).

Die Stadtteilschule Stübenhofer Weg hat in den vergangenen Jahren einen Wandel von einer Grund- Haupt- und Realschule hin zu einer Stadtteilschule durchlaufen.
Neben den politisch gesetzten Veränderungsprozessen wurden parallel dazu schulinterne Veränderungen vorgenommen. Weder diese, noch die Umwandlung der Schule in eine „gebundene Ganztagsschule“, die Umsetzung des Bau- und Sanierungsprojekts „Hamburg-Süd“ 2007 und die Umwandlung in eine Stadtteilschule sind abgeschlossen.

Die Schülerschaft des Stübenhofer Wegs ist gekennzeichnet durch eine kleine Leistungsspitze und einen etwa gleichen Anteil im schwachen wie im mittleren Leistungsbereich. Die Zahl der Kinder mit Förderbedarfen nach § 12 nimmt stetig zu, drunter auch Kinder mit sogenannten besonderen Förderbedarfen. Ein Anteil von ca. 2o – 25 % der Schülerinnen und Schüler im unteren Leistungsbereich, hat kaum Chancen in den regulären Arbeitsmarkt zu kommen und verfügt damit über keinen guten Zukunftsperspektiven.

Es bestätigt sich die Annahme bzw. Vermutung, dass es einen starken Zusammenhang zwischen Lernleistungen, sozio-ökonomischer Situation der Haushalte und Verhaltensauffälligkeiten gibt. Im Laufe der Jahre ist eine fortschreitende Verschlechterung der durchschnittlichen Lernausgangslagen festzustellen. Die durchschnittlichen Leistungen der Schülerinnen und Schüler in der Schule Stübenhofer Weg liegen unter dem Schnitt aller Hamburger Schulen. Dies wird durch ein nicht ausreichendes, eher geringes familiäres Anregungsmilieu und die niedrige sozio-ökonomische Stellung vieler Haushalte in der Migrationsbevölkerung auf den Elbinseln verschärft. Interessant dran ist, dass es Ausnahmen gibt, die es zu untersuchen gilt, die auf jeden Fall nicht zu ignorieren sind.

Wenn auch Unruhe, Überforderung, Sprach-, Wissens- und Erziehungsdefizite, Verhaltensoriginalität und soziale Auffälligkeiten einen nicht unerheblichen Teil unserer Schülerschaft prägen und Lernleistungen mager ausfallen lassen, so ist nicht zu vergessen, dass dies auf einen größeren Teil nicht zutrifft.

Dies gilt in gleicher Weise für die unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen, die Erziehungsstile und somit auch für die Anspruchshaltung der Eltern an Schule. Hier gibt es erhebliche Differenzen, die möglicherweise – wenn auch ungewollt – verschärft werden durch die eigene, bildungsnahe, vielfach kulturell-deutsch ausgerichtet mittelstandsorientierte Sichtweise und Haltung auf Schülerinnen, Schüler und Schule der handelnden Lehrpersonen. Diese sind kennzeichnet durch verschiedenste Studien- und Ausbildungssysteme in der Bundesrepublik sowie in Europa, unterschiedlichste Migrationshintergründe damit unterschiedlichster kultureller Hintergründe, die jeweilige individuelle Sozialisationen.

Drei Ebenen, die bildungspolitische als stadtteilübergreifende Ebene, die städtebauliche als regionale und die schulinterne als lokale Ebene, stellen und stellten einen sehr verwobenen und in seinen strukturellen und inhaltlichen Anforderungen nicht immer trennsicher zu behandelnden Schulentwicklungsprozess dar. Sehr komplex, teilweise widersprüchlich, waren diese Prozesse verantwortlich für die Auswirkungen auf die tägliche Arbeit vor Ort für die Kolleginnen und Kollegen, die Eltern und schließlich ebenso für die Schülerinnen und Schüler.

Die skizzierten strukturellen Veränderungen führten und führen zu einem erheblichen Handlungsdruck in der inhaltlichen Arbeit der Schule.

Es mussten neue Wege beschritten werden, um den veränderten Herausforderungen im Schulalltag zu begegnen. Dabei tauchten neue Fragen auf:

  • Wie können wir erfolgreiches Lernen von Schülerinnen und Schülern in heterogenen Lerngruppen an der Stadtteilschule Stübenhofer Weg sichern? Wie differenzieren wir? Äußerlich oder innerlich?
  • Haben sich bekannte Methoden oder Organisationsformen bewährt?
  • Woran erkennt man die Stadtteilschule Stübenhofer Weg? Womit grenzen wir uns zu anderen Stadtteilschulen ab?
  • Was ist der rote Faden unseres gemeinsamen Handelns im Schulalltag?
  • Was bedeutet ganztägiges Lernen für uns sowie unsere Schülerinnen und Schüler? Welche Rückschlüsse ziehen wir für unsere Rhythmisierung des Schulalltages?

Insgesamt für alle eine Herausforderung. Viele strukturelle und inhaltliche Veränderungen, die – jede für sich – konkrete Auswirkungen auf den Unterricht hatten und weiterhin haben. Hinzu kommen die Belastungen durch die Sanierungs- und Baumaßnahmen. Ein fast fünfjähriger Prozess der erheblichen Veränderungen, ebenso schmerzhaft wie notwendig, herausfordernd für Kolleginnen und Kollegen, wie Eltern, Schülerinnen und Schüler, da es sich nicht nur um inhaltliche und strukturelle Veränderungen handelte, sondern auch eine Veränderung kultureller Gewohnheiten. Von der Selektionskultur hin zu Formen gemeinsamen längeren Lernens, auf jeden Fall aber ein neuer Umgang mit Heterogenität, der mit der Inklusion seinen vorläufigen Höhepunkt fand und findet. Also Anforderungen auf allen Ebenen, bis hin zu neuen Formen der Zusammenarbeit mit neuen Professionen und Kooperationspartnern.

Damit verbunden steht das Alltagsgeschäft – Unterricht und Erziehung – im Mittelpunkt der täglichen Arbeit der Kolleginnen und Kollegen. Inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung (Schulentwicklung) der Schule ist aus dieser Sicht zwar notwendig und wichtig, steht angesichts der o.g. Herausforderungen und der Konzentration auf Unterricht und Erziehung nicht im Focus der Kolleginnen und Kollegen. Schule ist reformmüde! Dennoch gibt immer wieder neue junge KollegInnen die Lust auf Reformen haben und Dinge ausprobieren, weiterentwickeln wollen und mit dem Status quo unzufrieden sind. Sollen diese Energien und Impulse dauerhaft nutzbar bleiben dann ist dies nicht zuletzt auch eine Frage von Unterrichtsverpflichtung und Arbeitsbelastung, vor allem durch einen erhöhten Aufwand für:

  • Verwaltung aufgrund einklagbarer Rechtsansprüche;
  • die Organisation von gesetzlich umzusetzenden Förderstrukturen;
  • eine rechtssichere Aktenverwaltung;
  • eingeforderte Qualitätssicherung;
  • eine rechtlich nachvollziehbare Leistungsüberprüfung;
  • für eine transparente und nachvollziehbare Stoffverteilung und
  • eine „technische“ Unterrichtsvorbereitung“, wie da sind, Sammlungspflege,
  • Geräteverwaltung, Sporthallenwartung und Werkstattbetreuung.
  • grundsätzlich veränderte Planung, Vorbereitung, Koordination, Absprache und Durchführung von unterrichtlichen Vorhaben in allen Schulstufen
  • Koordination, Planung, Durchführung erzieherischer Maßnahmen

Grundsätzlich gilt also festzuhalten, dass der Arbeitsschwerpunkt der Kolleginnen und Kollegen zurzeit in der qualitativen und quantitativen Bewältigung des Alltags liegt. Diese Feststellung ist zu berücksichtigen, wenn es um die Weiterentwicklung im Rahmen der schulinternen Schulentwicklung geht. Es gilt, den scheinbar vorliegenden Widerspruch zwischen konkretem Unterricht/Erziehung und Schulentwicklung im Sinne einer höheren Professionalität aufzulösen.

Leitfragen
Vor den Entscheidungen über Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Stadtteilschule Stübenhofer Weg, ist die genaue Analyse der Ausgangslage, die damit verbundenen Erkenntnisse und das bisher Erreichte mit Hilfe von Leitfragen zu bewerten und zu beurteilen. Damit eng verbunden sind konkrete Ziele und eine gemeinsame Idee von einer Schule (Leitbild/Philosophie) in Kirchdorf/Wilhelmsburg für die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler.

  1. Welche Konsequenzen müssen sich, welche sollen sich und welche können sich auf der Grundlage der beschriebenen analysierten Ausgangslage und den Rahmenbedingungen für unsere Schülerinnen und Schüler ergeben?
  2. Wie muss das schulische Angebot der Stadtteilschule Stübenhofer Weg gestaltet und organisiert sein, um die Übergangsquote in Ausbildung und Arbeit zu erhöhen.
  3. Wie muss die Schule Stübenhofer Weg in den Bereichen Unterricht (Bildungsangebote) und Erziehung/Pädagogik und Management gestaltet und organisiert sein, um den Schülerinnen und Schülern Erfolg und den Mitarbeitern Zufriedenheit zu ermöglichen
  4. Wann sind wir erfolgreich? Was ist für uns Erfolg? Was ist für unser Umfeld Erfolg?
  5. Wie muss die Schule in den Stadtteil eingebunden sein?
  6. Wie unterstützt diese Einbindung unsere Schülerinnen und Schüler und uns?
  7. Welche Philosophie („Spielkunst“) begleitet uns, um unsere Ziele zu erreichen?
  8. Was können wir von Schulen in ähnlicher Situation lernen und abschauen?
Leitbild
Das Synonym „Stübi“ stand – und steht? – für das Leitbild der Schule. Es war und ist der Ruf der Schule im Stadtteil. Auch gebunden an Personen, die die Schule repräsentierten. Unser Leitbild sollte und muss mehr sein. Es soll eine verlässliche Orientierung der pädagogischen und organisatorischen „Spielkunst“ für alle Beteiligten sein. Eine wesentliche Voraussetzung für die Gestaltung des zukünftigen Weges der Stadtteilschule Stübenhofer Weg. Dabei spielen die in der Schule professionell arbeitenden Menschen eine nicht unerhebliche Rolle. Sie repräsentieren das Leitbild. Ob sie wollen oder nicht.

Die Stadtteilschule Stübenhofer Weg in Kirchdorf Süd auf der Elbinsel Wilhelmsburg ist stärker denn je eine Schule in einem Umfeld mit großer kultureller, sozialer und pädagogischer Herausforderung. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, benötigen wir eine Schule, die kontinuierlich neue Wege sucht, Kontakte systematisch knüpft, Netzwerke aufbaut und als Bildungseinrichtung neugierig bleibt und bereit ist als Organisation zu lernen. Eine Schule, die sich mit dem Stadtteil identifiziert und gleichberechtigter Partner eines schulbezogenen und quartiersorientierten Netzwerkes ist. Damit ist sie eine „lebendige“ Schule, die im Rahmen ihrer Autonomie (selbstverantwortete Schule) auch unkonventionelle Wege einschlägt, in der Außendarstellung als „Mannschaft“ auftritt und ein vielfältiges, ein der Ausgangslage entsprechendes Lernangebot entwickelt. Eine Schule, die mit und für die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils Zukunftsperspektiven entwickelt. Lebendige Schule meint auch, sich gesellschaftlichen Realitäten zu stellen und sich politisch-pädagogisch einzumischen, Positionen zu beziehen und dafür einzustehen. Damit verabschieden wir uns von dem Weg einer defizitorientierten Integration und begeben uns auf die Suche nach Wegen, die zur Erschließung von Potenzialen durch kulturelle Vielfalt führen. Wir sind eine Schule für alle unsere Schülerinnen und Schüler.

Mit den von uns bisher verwendeten Mottos und unseren pädagogischen Leitsätzen geben wir Hinweise auf das, was die Stadtteilschule Stübenhofer Weg auszeichnet: Mitten drin und nicht nur dabei soll heißen: Wir beraten, orientieren und begleiten.

Die bisher von uns verwendeten Mottos, die diese Haltung zum Ausdruck bringen sollten, sind:

  1. Technik – Talente – Toleranz
  2. Chancen schaffen – Schülerinnen und Schüler stärken
  3. Schule ist Arbeitsplatz
  4. Schule Stübenhofer Weg – wir produzieren Bildung (Sponsorenpapier)

Damit verbunden wurden folgende Leitsätze verabschiedet:

  • Respektvolles Miteinander bestimmt unser Handeln.
  • Verantwortungsbewusstsein für uns selbst, unseren Mitmenschen und der Natur
  • gegenüber zeichnen uns aus.
  • Unsere Regeln helfen uns, gemeinsam zu lernen.
  • Selbstständiges Denken und Handeln ist uns wichtig.
  • Praxisnahes Lernen vermittelt Wissen durch Erfahrung.
  • Sportliche und musische Vielfalt bieten uns Raum für Ausgleich und Wohlbefinden.
  • Die Schule Stübenhofer Weg in Wilhelmsburg/Kirchdorf verbindet uns.
Ziele
Die folgenden Ziele sind nur dann zu erreichen, wenn wir Abstand gewinnen von der Haltung, dass die Feststellung, der Lernerfolg ist abhängig von der sozial-ökonomischen Situation der Elternhäuser, nicht veränderbar ist. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die eigenen Erfolge zu realisieren und zur Kenntnis nehmen. Von den internationalen Erfahrungen einmal ganz abgesehen. Auch wenn damit u.a. eine Schulstrukturveränderung verbunden ist. Die Rahmenbedingungen setzen selbstverständlich auch die Grenzen der Schulentwicklung.

Folgende Ziele sind aus der Ausgangslage abzuleiten:

  1. Der Stübenhofer Weg ist Stadtteilschule für die Elbinseln Wilhelmsburg und Veddel, vor allem aber Stadtteilschule für Kirchdorf, insbesondere aber für Kirchdorf-Süd. Sie bietet den Kindern des Stadtteils gemeinsam mit den sie umgebenden Grundschulen ein attraktives und verlässliches Bildungsangebot von Einschulung bis zum Übergang in Beruf oder Studium.
  2. Die Stadtteilschule Stübenhofer Weg ist „Internationale Stadtteilschule“ an der, die „Verkehrssprache“ Deutsch unterrichtet wird.
  3. Der Anteil an Risikoschüler (schwache Lernleistung/roter Bereich) ist am Ende der Schulzeit halbiert.
  4. Die Stadtteilschule Stübenhofer Weg garantiert, dass ihre Schüler und Schülerinnen am Ende ihrer Schulzeit die definierten Grundlagen (Kompetenzstufe III) im Leseverstehen, der Rechtschreibung, der Mathematik und im Fach Englisch beherrschen.
  5. Die Stadtteilschule Stübenhofer Weg erreicht folgende Übergangsquoten:
    1. 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler eines Jahrganges gehen in die in die Oberstufe über
    2. 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehen in das duale Ausbildungssystem über,
    3. 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehen in schulische Ausbildungen, weiterführende Schulen im beruflichen System über,
    4. maximal 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehen in das System der Ausbildungsvorbereitung über
  6. Mit den Schülerinnen und Schülern ist eine nachweislich entwickelte und begründete Perspektive (vorbereitende Maßnahme, Arbeitsgelegenheit, Ausbildung, Übergang in die Sek II) erarbeitet worden.
  7. Die Stadtteilschule ist Teil eines zielorientierten und überprüfbaren Netzwerkes.
  8. Die Profilschwerpunkte Bewegung, Projekt und Produktion bilden den echten Markenkern der Schule. Sie sind der sogenannte rote Faden für alle an der Schule angebotene Lern-Arrangement. Dafür ist sie im Stadtteil und in Hamburg bekannt.
Strategie
Wichtig für alle strategischen Überlegungen – also die Überlegungen, wie wir die gesetzten Zielen erreichen wollen – sind Akzeptanz der Gegebenheiten, Analyse der Ausgangslage, begründete und überzeugende Setzung von Schwerpunkten, Beschreibung standortspezifischer Erfolgskriterien, Einordnung und Überzeugung. Auf jeden Fall kein Populismus, Übernahme von Trends oder gar das zwanghafte Suchen nach leistungsstärkeren Schülerinnen und Schülern.
Diese Ziele sind grundsätzlich erreichbar. Voraussetzung ist die Umsetzung von bereits festgestellten Erfolgskriterien im Stübenhofer Weg:

  • Fachlichkeit in den Kernfächern
  • Teamentwicklung im Jahrgang
  • Beziehungsarbeit
  • Professionelle Arbeitsbedingungen
  • Individuelle und gemeinsame Lernarrangements

Vor diesem Hintergrund ist der Aufbau einer Oberstufe strategisch wichtig, um leistungsstärkere Schüler zu halten. Aber rational/argumentativ nur im Kielwasser einer überzeugenden Berufsorientierung und damit einer Verbesserung der Übergänge in die duale Ausbildung sinnvoll. Eine Fokussierung auf die Arbeits- und Berufswelt ist die Grundlage unserer Arbeit.

Damit verbunden ist eine rechtzeitige Analyse und Diagnose unserer Schülerinnen und Schüler. Dafür ist es notwendig, dass Akten- und Lerndatenlage bekannt sind. Um den Leistungsstand zu erhöhen, ist eine konsequente Weiterentwicklung der individuellen und gemeinsamen Lernorganisation notwendig. Dies vor allem für Schülerinnen und Schüler im unteren Leistungsspektrum. Rechtzeitiger Aufbau von erfolgreichen Bildungsangeboten, die sonst erst nach der Pflichtschule einsetzen. Damit sind u.a. alle Formen praktischen Lernens gemeint, wie eine polytechnische Bildung oder die Produktionsschule. Dazu und gleichberechtigt ist die Weiterentwicklung unserer Profilschwerpunkte:

BEWEGUNG, PROJEKT, PRODUKTION

Mit dem Schwerpunkt Produktion ist die Planung und Herstellung von Produkten, die nützlich und bedeutsam für die Umsetzung schulischen Lernens aller Art gemeint, auch Produkten aus dem alltäglichen Unterrichtshandeln in Form von Präsentationen und Darstellungen jedweder Art. Von der Textproduktion für die Schüler_innen-Zeitung bis zum Verkaufsprodukt als sogenannter „Ernstauftrag“ der Schüler_innenfirmen.

Der Schwerpunkt Bewegung sieht Lernen und Bewegung in einem Zusammenhang. Klassenfahrten, Tanztheater, Trendsportarten, Sportunterricht und Schulmannschaften ermöglichen eine hohe Motivation für die Schüler_innen und sind Motivation und Ausgangspunkt für das eigene Lernen.

Durch eine strukturierte Projektorientierung (zum Beispiel. „Forschendes Lernen strukturiert planen“) erfolgt eine Zuspitzung der bisherigen Lernprozesse mit klaren Zielen. Sie beinhaltet den Transfer von Wissen, Können und Fertigkeiten. Schülerinnen und Schüler gehen dabei strukturiert eigenen Fragestellungen nach. Dies setzt eine Aneignung von Selbstständigkeit und Methodenkenntnis voraus, die schwerpunktmäßig in den jüngeren Jahrgängen verankert ist.

***

Die Erreichung der Ziele ist nur möglich, wenn die Stadtteilschule eine konstruktive, auf gemeinsame Ziele ausgerichtete und verbindliche Kooperation mit den Einrichtungen im Stadtteil eingeht. Das Stübi-Netzwerk bedarf in diesem Zusammenhang höchster Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Gemeinsam statt einsam. Trotzdem ist weiterhin eine Konkurrenz zwischen allen weiterführenden Schulen vorhanden.

Die Schülerströme werden sich in nächster Zeit nicht verändern, zumal der Stübenhofer Weg am Rande Wilhelmsburg‘s liegt. Ebenso wird sich das Wahlverhalten der Eltern vorerst nicht ändern. Nach der Grundschulzeit werden sich die leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler in erster Linie dem Gymnasium zuwenden, auch wenn eine relativ hohe Zahl von Schülerinnen und Schüler nach sechs zurück an die Stadtteilschulen kommt. Dies müssen wir realisieren und nicht bedauern.

Welche Schritte sind bereits gegangen?
Die bisherigen Schritte unseres pädagogischen (didaktisch und methodisch) und organisatorischen Handelns sind im Kern gekennzeichnet durch den Zugang zum Lernen durch praktische Erfahrungen und damit die bewusste und notwendige Ergänzung zum „kognitiven“ Unterricht. Damit verbunden der starke Bezug zur Arbeitswelt durch frühzeitige Berufsorientierung sowie die Umsetzung des Technikkonzepts mit dem Ziel, Produkte mit Ernstcharakter herzustellen. Das Lernen mit Kopf, Herz und Hand zu ermöglichen. Der bisherige Weg in den letzten Jahren war stark gekennzeichnet durch die Reformbewegungen der letzten Jahre. Diese haben den internen Prozess immer wieder unterbrochen. Umsetzungsschritte waren und sind:

  • erste Versuche zur Durchführung von Klassenlehrertagen;
  • die Erstellung eines Leitbildes der Schule;
  • die Einführung des Praxislerntages und dessen Weiterentwicklung zu Profil- und Projekttag
  • die Einführung des Log-Buches;
  • Neuentwicklung, Umsetzung und erste Evaluation der Rhythmisierung im Ganztag;
  • die Einführung individualisierter Lernformen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch (Vertiefung);
  • die Einführung von multiprofessionellen Jahrgangsteams;
  • die Einführung des Trainingsraums sie dessen Weiterentwicklung zum Konzept Auszeit ;
  • die Mitgestaltung des Lernorts Praxis;
  • die Eröffnung eines Schulcafés;
  • der Aufbau eines Schulbezogenen-Netzwerks (Stübi-Netzwerk) und damit die Zusammenarbeit der Schule mit den Jugendhilfeträgern des Stadtteils Kirchdorf;
  • Umsetzung der Berufs- und Studienorientierung – von PROBE zur vorbildlichen Berufsorientierung;
  • der Aufbau eines Beratungsdienstes (B.O.B.-Team);
  • die Weiterentwicklung und Professionalisierung in der Organisation (Abläufe im Schulbüro, Abläufe der Lernentwicklungsgespräche und Klassenkonferenzen);
  • Realisierung der Profilschwerpunkte:
Bewegung:
  • Umsetzung und Sicherung des Prädikats „Bewegte Schule“
  • Sichere Verankerung von Bewegung im Bereich angebotener Kurse in allen Jahrgängen
  • Regelmäßige Sportwettkämpfe und Turniere
Projekt:
  • Umsetzung der beschlossenen Stundentafel mit Unterrichtzeiten für strukturiertes Projektlernen
  • Einrichtung einer Fachgruppe zum Projektlernen
  • Durchführung/ Initiierung von Fachprojekten
  • Durchführung/ Initiierung von Jahrgangsprojekten
Produktion
  • Installation des „Koordinators Produktion“ und der damit verbundenen Weiterentwicklung des bisherigen Praxislerntages zum Profil- und Projekttag
  • Teilnahme am Wettbewerb Nordmetall-Cup – F1
  • Realisierung zweier Schüler-Cafés mit angeschlossenem Catering
  • Umsetzung Inklusion – Entwicklung eines vorläufigen integrativen Förderkonzepts, Erstellung eines Handouts zu integrativen Förderung
  • Aktivierung der Schülerpartizipation auf verschiedenen Ebenen in Projekten, Arbeitsgruppen und Initiativen
  • Aktivierung der Lehrerpartizipation in verschiedenen AGs und AKs
  • erste Schritte (Aufschlag) interkulturelle Bildung

Diese Maßnahmen befinden sich in einer unterschiedlichen Umsetzungsphase und sind bei Weitem noch nicht abgeschlossen.

Wie geht’s weiter?
Das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Leistungspotenzialen sowie unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft in einem gemeinsamen Bildungsgang die derzeit größte Herausforderung für die Stadtteilschule Stübenhofer Weg.

Begonnene, vielfältige Prozesse sind konkret umzusetzen, kontinuierlich weiter auszubauen, zu ergänzen sowie zu evaluieren. An der Stadtteilschule Stübenhofer Weg ist durch die Schulleitung forciert, mit allen Beteiligten ein inklusives, den gesellschaftlichen Erfordernissen angemessenes Bildungsangebot zu entwickeln, das die Schülerinnen und Schüler im Stadtteil zu höchstmöglichen Schulabschlüssen führt. Die Schülerinnen und Schüler müssen nach Beendigung ihrer Schulzeit eine klare Vorstellung von ihrem weiteren Werdegang und ihren Möglichkeiten haben.

Die Schulleitung schlägt vier Handlungsfelder vor:

  1. Handlungsfeld: Profilierung

Die benannten Profilschwerpunkte sind die notwendige und logische Konsequenz der Zielsetzung und die notwendige motivationale Voraussetzung für Lernerfolge. In der jetzt einsetzenden Phase der Umsetzung ist es unabdingbar, dass durch die Schulleitung alle notwendigen materiellen sowie personellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Ebenso ist die notwendige Zusammenarbeit der Pädagogen sicherzustellen.

Nächste Schritte:

Bewegung:
  • Weiterentwicklung hin zu einer „Sportbetonten Schule“.
  • Einrichtung von sogenannten Klassen mit dem Profil „Sport“
Projekt:
  • Erstellung eines Curriculums zum Projektlernen
  • Durchführung/ Initiierung von Fachprojekten
  • Durchführung/ Initiierung von Jahrgangsprojekten
Produktion
  • Installation des „Koordinators Produktion“ und der damit verbundenen Weiterentwicklung des bisherigen Praxislerntages zum Profil- und Projekttag
  • Teilnahme an weiteren Wettbewerben neben dem bereits vorhandenen Nordmetall-Cup – F1
  • „Professionalisierung“ der vorhandenen Schülerfirmen (Konzeptpapier Ralf Oberländer, Januar 2015) Bearbeitung sogenannter „Ernstaufträge“
  • Veranlassung von Sanierung, Modernisierung und Ausbau aller Werkstätten (Holz, Metall, Textil, Kunst)
  • Einrichtung einer produktionsartigen Küchensituation, um unser tägliches Schulessen selber zu produzieren
  1. Handlungsfeld: Unterrichtsentwicklung – Schulcurriculum

Die aktuellen Hamburger Bildungspläne sind – ebenso wie die Bildungsstandards der KMK – kompetenzorientiert angelegt. Das bedeutet, dass sie nicht mehr beschreiben, was die Lehrerin bzw. der Lehrer zu lehren hat, sondern was die Schülerinnen und Schüler zu bestimmten Zeitpunkten – vor allem am Ende eines Bildungsganges – Wissen und Können sollen. Das Schulcurriculum beschreibt, mit welchen Inhalten und mit welchen Methoden der Lernprozess von den Lehrkräften organisiert werden soll. Damit wird das Schulcurriculum zu einem Instrument der Verständigung der Lehrkräfte untereinander und schafft einen gemeinsam getragenen Standard für die Gestaltung des Unterrichts.“ (Auf dem Weg zum schulinternen Curriculum, LI 2011)

An der Stadtteilschule Stübenhofer Weg arbeiten Fachgruppen und Konferenzen bereits an Fach- bzw. Methodencurricula. Erfolgreicher Unterricht findet immer dann statt, wenn Pädagogen im Team arbeiten, eine hohe Fachlichkeit vorhanden ist sowie eine Beziehung zwischen Lehrendem und Lernenden besteht. Schule erfordert somit unbedingt gemeinsame Absprache und gemeinsame Unterrichtsvorbereitung der Lehrkräfte.

Ziel ist es, diese gemeinsame Arbeit weiter zu entwickeln und zu verstärken, um sie erfolgreich zu einem Schulcurriculum zusammenzuführen. Dieses ist für jeden nutzbar zu machen. Dabei müssen selbstverständlich alle Möglichkeiten moderner Kommunikation und Medien mit einbezogen werden.

Ergebnisse vergangener Gesamtkonferenzen sowie die Evaluation der für das ganztägige Lernen entwickelten Rhythmisierung führen zu dem Schluss sich mit dem Kollegium jetzt intensiv der Frage des Umganges mit der vorhandenen Heterogenität zuzuwenden. Nicht mehr die Struktur sondern der Inhalt ist das Thema. Wie wird an der Stadtteilschule Stübenhofer weg differenziert? Diese Frage muss jetzt beantwortet werden. Erste Maßnahmen dafür sind:

  1. Erstellung eines integrierten Förderkonzepts
  2. Multiprofessionalität – Wie gehen wir bei unserer Arbeit mit einander um? Sozialpädagogen, Regelpädagogen, Sonderpädagogen, Gymnasiallehrer, … -Teamentwicklung
  3. Wie nutzen wir vorhandene Strukturen und Zeiten für die gemeinsame Arbeit am Unterricht?
  4. Wie müssen vorhanden Strukturen weiter entwickelt werden, um die gemeinsame Arbeit am Unterricht zu Intensivierung und effektiver zu gestalten?
  5. Schaffung von Möglichkeiten für kollegiales Feedback zum eigenen Unterricht zur Verbesserung der Unterrichtsqualität.
  6. sichere inhaltliche Ausgestaltung des Vertiefungsbandes als Beitrag
  7. intensive Sprachförderung – Teilnahme am Projekt: „Sprachförderung im Fachunterricht“
  1. Handlungsfeld: Professionelle Unterstützung der Arbeitsstrukturen:

Der Arbeitsplatz Schule ist hoch komplex und mit höchsten Anforderungen sowie Herausforderungen versehen. Soll er ernst genommen werden, muss dieser Arbeitsplatz professionell ausgestaltet werden durch:

  1. Die Bereitstellung und Gestaltung von Arbeitsplätzen und Räumen für Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen.
  2. Ein effizientes und mit Ressourcen ausgestattetes Unterstützungssystem.
  3. Der Aufbau von schnell greifenden schulbezogenen Netzwerken.
  4. Die Ausgliederung von Verwaltungsarbeit an externe Verwaltungskräfte durch den „Verkauf“ von F-Zeiten. Lehrer sollen unterrichten!
  5. Eine bessere Ausstattung mit WAZ – nach entsprechen Kriterien – für Teams und Jahrgangsprecher.
  6. Den regelmäßigen Austausch, die regelmäßige Beratung, verbindliche Vereinbarungen mit der Schulaufsicht.
  1. Handlungsfeld: Sensibilisierung und Motivation des Kollegiums für die neu entstandenen Rahmenbedingungen :

Stadtteilschule (eine schule für alle) & Inklusion:

  1. das ‘Raumgeben’ für das Zusammenwachsen des neu entstehenden Kollegiums aus: Sonderpädagogen, Sozialpädagogen, Grundschulpädagogen, Schulpädagogen Sekundarstufe I, Schulpädagogen Sekundarstufe II, Berufsschulpädagogen und Quereinsteigern
  2. Teambuilding und Rollenklärung innerhalb der entstehenden multiprofessionellen Teams je Klasse und auch des Arbeiten in Doppelbesetzung
  3. Grundlagen, Strukturen, Rahmenbedingungen,
  4. Offenheit schaffen für die Umsetzung der inklusiven Arbeit an der STS Stübenhofer Weg.
Beteiligung
Eine wesentliche Bedingung für das Gelingen derart komplexer Vorhaben ist eine große Partizipation aller Beteiligten, Pädagogen, Eltern und Schüler. Die Beteiligung aller Mitglieder der Schulgemeinschaft stellt sicher, dass jeder seine Kompetenzen einbringen konnte und alle Argumente gehört wurden, so dass dann getroffene Entscheidungen akzeptiert und aktiv umgesetzt werden.

In Beteiligungsprozessen gilt es stets das richtige Maß zu finden. Ein Korrektiv dabei ist die Begrenztheit von Arbeitszeitkontingenten sowie Tageszeit. Die Relevanz der Aufgabe, die persönliche Betroffenheit eventuell Beteiligter sowie die Fähigkeit zur Lösung der Aufgabe sind ebenfalls bei der Gestaltung von Beteiligungsprozessen zu berücksichtigen.

Entscheidungen können nicht immer konsensual hergestellt werden. Deshalb ist Transparenz in der Begründung von Entscheidungen notwendig, um zu erkläre, warum welche Entscheidungen wie getroffen wurde. Grundlage für eine gelingende Partizipation ist der direkte vorurteilsfreie Austausch von Sachargumenten.

Die Stadtteilschule Stübenhofer Weg besitzt jetzt Gremien die eine breite Partizipation ermöglichen. Es gilt jetzt diese zu nutzen und mit ihnen Erfahrungen zu sammeln.

M. Herpe | Oktober 2016